Hauenhorst im Oktober 2011
Der 56 Minuten Film „Streifzüge „ durch 155 Jahre Rheiner Eisenbahngeschichte vom Metropoli-Team
wartet auf seine Premiere, doch kurz vor der Film-Präsentation am 7. Oktober im City-Kino
Rheine, wird das Drehbuch wegen eines kurzfristigen ungeahnten Ortstermins am ehemaligen Bw
Rheine „R“ nochmals aufgeschlagen. Es geht um einen rührenden und tragischen Verlauf der
Hofbesitzer Familie Hovekamp, die nach dreißig jährigen Verhandlungen mit dem Eisenbahnfiskus,
am 1.Oktober 1911 ihren landwirtschaftlichen Betrieb in Hauenhorst verlassen musste, weil an
gleicher Stelle der Ringlokschuppen für das spätere Bw Rheine „R“ gebaut werden sollte. Einen Teil
der Hofgeschichte war mir durch den Hauenhorster Ahnenforscher Walter Rauß lange bekannt, aber
die Einladung der Familie Hovekamp und Verabredung zum 100. Jahrestag am Samstag den 1.
Oktober 2011 traf mich wie der Blitz aus heiterem Himmel.
Karl Hovekamp kennt die Hofgeschichte, die bereits im Jahre 1469 an gleicher Stelle in
Hauenhorst begann, genau. Alte Fotos und Dokumente machten am letzten Samstag an den
gedeckten Tisch im Grünen am Ringlokschuppen die Runde. Rührig ging es unter die Haut, als Karl
Hovekamp aus einem Buch, welches sein Großvater am 29. Januar 1938 über die
Schicksalsjahre seiner Familie schrieb, anfing zu lesen. Mit den vorliegenden Fotos lief es uns wie ein
Film vor den Augen, wie damals mit Pferd und Wagen der Umzug und der Abschied aus Hauenhorst
stattgefunden haben muss, sowie der Einzug in das mit Spukgeschichten vorbelastete Wohnhaus in
Neuenkirchen, welches bereits zwei Jahre später abbrannte. Karl Hovekamp liest weiter im
Text… So kam am 29. November 1913 der schwere Schlag - das Oberhaupt der Familie, der Vater
starb im Alter von 70 Jahren. Der alt verpflanzte Baum hatte in dem widerstrebenden Boden keine
Wurzeln mehr ihm schlagen können. Die Ereignisse hatten zu stark zugesetzt. Das größte Vertrauen
und die ganze Liebe der Kinder hatten ihm gegolten. Und doch! - War er wirklich tot? - Nein. Nie
und nimmer! - Sein Geist und seine Art verließen die Kinder nicht. Und - das war der Kinder stiller
Schwur – wird auch von ihnen nicht verlassen werden. Mit den Versen aus dem Buch ihrer
Hofgeschichte öffnete uns Karl Hovekamp mit seiner Mutter Maria Hovekamp und der
jüngsten Tochter Elisabeth den Wunsch, etwas an den Ort nach Hauenhorst zurückbringen zu dürfen,
wo die Erbfolge 1469 begann. Die Blutbuche ist seit Generationen das Symbol der Familie. Von ihrer
Blutbuche in Neuenkirchen sammelte die Familie zum 100. Jahrestag 100 Bucheckern, die am
Samstag symbolisch in einen mitgebrachten Behälter am Ort ihrer Vorfahren gepflanzt wurden. Mit
einer bereits einjährigen Blutbuche als DANK und Geschenk an das Metropoli-Team und der Bitte, die
soeben ausgesäten 100 Bucheckern in Verwahrung zu nehmen, um si e zu einem späteren Zeitpunkt
als „Hovekamps-Erbe“ auszupflanzen. Für einen Plastikbehälter in dem die Neuenkirchener- und
Rheiner Zeitung vom 1.Oktober 2011, sowie die Urkunde und Fotos zur Hofgeschichte verschlossen
wurden, sucht die Familie ebenfalls einen sicheren Ort im Boden, sobald es die aktuelle Brachfläche
zulässt. Nach rund drei unterhaltsamen Stunden und einer ausgesprochen ungewöhnlichen Zeitreise
verabschiedeten sich die Teilnehmer. Wahre Geschichten gebrauchen wirklich kein Drehbuch. Ein
Krawattenmikrophon und eine schnurrende Filmkamera im Hintergrund haben interessante
Gespräche mit dem Einverständnis der Familie Hovekamp aufgezeichnet. Denn, was heute aktuell
ist, ist irgendwann ja auch Geschichte, so Heinz Schulte vom Metropoli-Team.
Die einjährige Buche, die Aussaat und der Plastikbehälter befinden sich zurzeit bei Heinz Schulte im
Metropoli, der es kaum erwarten kann mit den verantwortlichen Verwaltungen für den Bereich
Ringlokschuppen und Brachfläche Rheine „R“ ins Gespräch zu kommen.
Text und Fotos: Heinz Schulte „Metropoli“

1. Oktober 2011
An der Blutbuche in Neuenkirchen
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Hauenhorst
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Maria Hovekamp
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Maria Hovekamp, Elisabeth Hovekamp, Karl Hovekamp
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